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Artikelkategorie:

Adult, Welpe, Erziehung, Nachwuchs, Sozialverhalten, Spielverhalten, Beißhemmung

Unsere Hündin hat Welpen geboren

Vollständige Frage:
Unsere Hündin Fanny hat Ende Januar 4 Welpen geboren, von denen nur einer überlebt hat. Die kleine Lilly haben wir behalten als Spielfreund, damit Fanny nicht allein ist. Meine Fragen sind: Warum beißt Lilly der Fanny beim Spielen immer in den Rücken und warum macht Sie Pipi vor der Tür, wenn ich den Raum verlasse? Und wie kann ich Fanny helfen und natürlich uns auch, denn wir müssen die Pfützen immer wegmachen.



Spielverhalten des Welpen

Antwort:
Hunde haben als Rudeltiere ein ausgeprägtes Sozialverhalten, dazu gehört gerade bei Welpen das Spielverhalten. Im Spiel werden alle für das Leben und Überleben als erwachsener Hund wichtigen Verhaltensweisen ausprobiert. Dies bezieht sich auch auf dominantes Verhalten, wie ein "Biss" in den Rücken. Ist Ihre Hündin im Sozialverhalten gefestigt, wird sie sich adäquat wehren sobald ihr diese Aggressionen des Welpen zu viel werden. Denn: Auch im natürlichen Hunderudel müssen Welpen die so genannte Beißhemmung daran erlernen, dass die Geschwister, Elterntiere oder andere erwachsene Hunde quietschen und manchmal auch schmerzhaft zurückzwicken. Dabei sind Hunde selbst meist klarer und schneller in ihren Reaktionen als wir Menschen! Wichtig ist, dass Sie selber in der Erziehung ebenso konsequent und klar sind und Ihnen die offenbar recht selbstbewusste Lilly nicht anfängt "auf der Nase herum zu tanzen".


Problem des Alleinseins

Der Urinabsatz von Lilly bei Ihrem Verlassen der Wohnung ist ein anderes, unerwünschtes Verhalten. Welpen im Alter von 4 Monaten sollten bereits stubenrein sein. Grundsätzlich wird Lilly auch stubenrein sein, es handelt sich wohl eher um das Problem des Alleinseins. Das Alleinbleiben sollte schon im Welpenalter trainiert werden. Hunde sind Rudeltiere und müssen erst lernen, ohne ihr menschliches Rudel zu sein. Manche Hunde knabbern Möbel an oder pinkeln eben in die Wohnung. Ganz wichtig: Das Alleinbleiben-Training sollte in kleinen Schritten erfolgen.


Alleinbleiben-Training in kleinen Schritten

Bevor Sie Ihren Welpen an das Alleinsein gewöhnen, gehen Sie mit ihm spazieren, so dass er müde ist und sich gelöst hat. Machen Sie ein paar Übungen mit ihm, damit er nicht nur körperlich, sondern auch geistig ausgelastet ist. Lassen Sie anfangs in der Wohnung das Radio laufen. So reagiert der Hund nicht so sensibel auf von außen kommende Geräusche. Geben Sie ihm ein stabiles Spielzeug zur Beschäftigung, zum Beispiel einen sogenannten Kong aus Hartgummi. Den kann man außerdem mit Leckerchen füllen, so dass Ihr Welpe eine Weile damit zu tun hat. Sperren Sie ihn nicht in einen abgetrennten Raum. Wenn Sie eine Transportbox als Schlafplatz für Ihren Welpen haben und er diese gut akzeptiert hat, bieten Sie ihm diese in Ihrer Abwesenheit an. Anfangs bleibt sie aber offen stehen. Testen Sie nun das Verhalten des Hundes, indem Sie kurz das Zimmer verlassen und die Tür hinter sich schließen.
Ein wichtiger Punkt: Verabschieden Sie sich nicht vom Hund! Bleibt der Hund ruhig, kommen Sie nach einigen Minuten zurück und begrüßen den Hund - wenn überhaupt - nur ganz kurz. Sein Alleinbleiben und Ihr Weggehen sollen ja nichts Besonderes sein, sondern etwas ganz Normales werden! Wenn der Hund während Ihrer Abwesenheit sehr unruhig ist, warten Sie bis Ruhe einkehrt und gehen dann wieder zu ihm hinein. Gehen Sie anfangs vielleicht nur in den Keller oder zum Postkasten, damit er lernt, dass Sie schnell wieder kommen und er nichts zu befürchten hat. Steigern Sie die Zeitspanne, die das Tier alleine bleiben muss, nur langsam.


Alleinsein nicht länger als max.6 Std.täglich

Wenn Sie nach Hause kommen und feststellen, dass Ihr Hund in Ihrer Abwesenheit etwas kaputt gemacht hat, bestrafen Sie ihn jetzt nicht. Denn eine verspätete Strafe kann das Tier nicht mit seinem Verhalten in Zusammenhang bringen! Wenn Sie nach Hause kommen und ihr Hund erwartet Sie mit reumütigem Herankommen, angelegten Ohren oder schuldbewusstem Augenaufschlag – machen Sie sich keine Illusionen. Dies sind entweder direkte Reaktionen auf Ihre eigene Anspannung oder aber eine Folge von erlerntem Verhalten. Denn Hunde haben kein schlechtes Gewissen. Was uns als schuldbewusst erscheint, ist eine unterwürfige Körpersprache des Hundes, mit der er Menschen zu beschwichtigen versucht. Im übrigen: Auch ein ausgewachsener Hund sollte nicht länger als maximal sechs Stunden täglich alleine gelassen werden. Als soziales Tier braucht er den Kontakt zu seinem Rudel.

Sind Sie sich zu dem angesprochenen Training unsicher, empfiehlt es sich mit Lilly eine gute Hundeschule mit Erfahrung in der Welpenerziehung aufzusuchen oder den Besuch einer Tierarztpraxis mit der Fachtierarztbezeichnung bzw. Zusatzbezeichnung "Verhaltenskunde/Verhaltenstherapie" in Erwägung zu ziehen.


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